Die Stammburg der Wettiner
besteht aus der Oberburg der Unterburg und der Mittelburg. Mit
etwa 450
Meter Länge und 120 Meter Breite gehört die
Stammburg der Wettiner zu den größten Burganlagen Deutschlands.
Die frühe Entwicklung der Burg Wettin liegt wie bei vielen
alten Burgen im Dunkel der Geschichte. Eine Erwähnung gab
es in einer Urkunde Kaiser Otto I. vom 29. Juli 961 als "Vitin
civitas" (Stadt Wettin). Wettin ist hier ein dem Moritzkloster
Magdeburg zehntverpflichteter Burgwardort. 1157 erscheint es als "In
burcwardo Witin in villa que dictur Pothegrodice" (im Burgward
Wettin im Ort der P. genannt wird), sowie 1126 als Witin.
Der Name des nahe bei der Burg gelegenen Ortes Pögritz lässt
sich auf das slawische Wort podgrad (im 12. Jh. Pothegrodice) zurückführen,
das "unter der Burg" bedeutet. Ob es sich um eine slawische
Siedlung unter einer slawischen Wallburg oder spätere Ansiedlung
unterhalb der deutschen Burg handelt, muss noch geklärt werden.
Fest steht aber, dass Wettin der Zentralort eines bedeutenden Burgwardes
war. Der Burgward gehörte zum Herrschaftsgebiet des Markgrafen
Rikdag. Dessen Verwandter Dedi wird im 10. Jh. mit der Grafschaft
Wettin belehnt.
Die Altzeller Annalen benennen einen Dietrich II. als Graf in Wettin.
Nach der Ermordung Dietrichs 1034 erhielt sein Sohn Thimo die Grafschaft.
Dessen Sohn Konrad ist als "der Große" eine wichtige
Persönlichkeit in der sächsischen Geschichte. Er residierte
seit 1091 auf der Burg.
Archäologische Ausgrabungen durch Paul Grimm in den 30er
Jahren des 20. Jh. stellten Mauern (Steinmauern in Lehm gelegt)
fest, die auf das Vorhandensein einer Burg im 10. Jh. hindeuten.
An den Steilhängen gab es die erwähnten Mauern, während
die Erhöhung am Nordwestende der Kernburg als Wall in Erde-Holz-Bauweise
mit vorgelagertem Graben gedeutet wird. Die ältesten Mauern
werden durch eine zwei Meter breite Ringmauer aus der Zeit um 1100 überlagert.
Die Datierung konnte anhand von Scherbenfunden durchgeführt
werden. Damit wurde der Standort der Grafenburg auf dem Gelände
der heutigen Unterburg bewiesen werden.
1123 setzte Konrad Ministeriale aus der Familie von Schochwitz
als Burggrafen ein. Die mussten weichen, als Heinrich, Konrads
Sohn ab 1156 auf der Burg residierte. In diesen Zusammenhang ist
die Errichtung der Oberburg als Burggrafenburg einzuordnen. Auf
dem Burgfelsen gab es nunmehr zwei Burgen mit je einer separaten
Vorburg.
1217 starb die Wettiner Linie des Grafengeschlechts aus. Die wettinischen
Grafen von Brehna erbten Wettin. Otto IV. von Brehna verkaufte
am 14.11.1288 die Grafschaft Wettin an den Erzbischof von Magdeburg.
Sie wurde in ein erzbischöfliches Amt umgewandelt. Die Grafen
von Brehna waren Mitglieder und Begünstiger des Templerordens.
Graf Friedrich II. war Templer und fiel am 16.10.1221 bei Akkon.
Sein Sohn Dietrich schenkte um 1240 den Ort Mücheln dem Orden.
Die weitere Geschichte der Burg ist von etwa 1300 an mit einer
komplizierten Lehensvergabe verbunden. Die Oberburg und die Unterburg
wurden in mehrere Lehen mit dazugehörigen Ländereien
geteilt. Wichtige Lehen waren dabei das Schraplausche und das Trothaische
Lehen auf der Oberburg. 1440 war die Familie von Trotha im Besitz
beider Lehen der Oberburg. Seit 1592 war das Schraplausche Lehen
landesfürstlich brandenburgischer Besitz.
1565 errichtete man auf der Oberburg das Torwarthaus. Der Bergfried
der Oberburg erscheint 1640 bei Merian schon ruinös. 1697
wird er gänzlich abgerissen. Beim Stadtbrand 1660 wurde die
Oberburg in Schutt und Asche gelegt. 1663 verkauften die Trothas
ihr Lehen an Johann Heinrich von Menius. Der errichtet 1663 bis
1689 das Meniussche Haus an der Stadtseite.
Die Unterburg wurde 1446 von Erzbischof Friedrich an Koppe von
Ammendorf und Caspar aus dem Winkel verkauft. Die Ammendorfer erhielten
die Saaleseite und die Winkels die Stadtseite der Burg. 1555 erwarben
die Winkels den Ammendorfer Anteil, so dass sie im Besitz der gesamten
Unterburg waren. Um 1600 erfolgte ein umfassender Ausbau der Unterburg.
unter Christoph aus dem Winkel. Auf die Hofseite des Ammendorfschen
Hauses wurden drei Giebel in barocken Formen aufgesetzt. Den markanten
Winkelturm an der Nordspitze errichtete man 1606. 1768 bis 1770
wurde das Winkelsche Haus im Stil des Rokoko erneuert.
1795 verkauften die Winkels den gesamten Wettiner Besitz an die
Familie von Merode, die ihn am 04.11.1803 an Prinz Ferdinand von
Preußen verkauften. Ferdinand ließ bis 1806 das Winkelsche
Palais noch einmal zu Wohnzwecken ausbauen. nach seinem Tod wurde
die Unterburg nur noch zu Wirtschaftszwecken verwendet. Die Pächter
richteten eine Brauerei und eine Brennerei in den Gebäuden
ein. Zwischen 1806 und 1813 riss man das Torhaus an der Nordseite
ab und verbreiterte die Zufahrt. Um 1830 wurden die Obergeschosse
des Nord- und des Südflügels abgetragen. Der schon lange
Zeit ruinöse Bergfried wurde 1860 ebenso abgetragen wie 1840
die Petrikirche. Eine Vielzahl von Wirtschaftgebäuden entstanden
im 19. und 20. Jahrhundert auf dem Burggelände, die heute
noch das Bild der Burg bestimmen. Der Bereich des Tores der Unterburg
wurde nach 1930 im Zuge ihrer Nutzung als Gauleiterschule der NSDAP
stark verändert.
1990 ging die Burg in den Besitz des Saalkreises über. 1991
entstand das heute in der Burg befindliche Gymnasium.
Quellen:
Siegmar von Schultze-Galléra - Die Burg Wettin ihre Baugeschichte und
ihre Bewohner - Halle, 1926.
Dehio - Handbuch der Kunstdenkmäler, Der Bezirk Halle - Berlin, 1976.
Alfred Körner - Handbuch der historischen Stätten Deutschlands, Provinz
Sachsen Anhalt - Stuttgart 1987 |
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